Schnecken mit Leseschwäche

 

Rund 20 Jahre hatten wir ein Postfach.

Zahlreiche Menschen , Firmen und Institutionen benutzten die Postfachadresse, manche schrieben lieber die sogenannte ladungsfähige Adresse,also die Wohnanschrift ,entweder weil es aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist einen Brief an eine Postfachanschrift zu adressieren, oder weil man es eben ablehnt sich an Bitten die passende Anschrift zu benutzen zu halten. Deshalb benötigten manche Briefe etwas mehr Zeit bis sie den Empfänger , also uns erreichten. Regelmäßige Beschwerden bei der Post waren an der Tagesordnung. Trotzdem sahen wir keinen Grund unser Postfach aufzugeben. Bis die Post ein bis dahin ungenutztes Potential entdeckte und nun plötzlich Gebühren für die Nutzung des Postfaches erheben wollte. Es sind keine hohen Gebühren , trotzdem sahen es Pünktchen und ich nicht ein, für die Leistung unsere Briefe selbst abzuholen, auch noch bezahlen zu sollen.

Weshalb wir uns entschlossen, unser Vertragsverhältnis mit der Post bezüglich der Nutzung des Postfaches ,zu beenden.Die Post war erstaunlicherweise umgehend einverstanden und eine wahre Flut von Briefen, die Kündigung betreffend, ergoss sich über uns.

Wir teilten nun allen, die uns über die Postfachadresse schrieben mit, das man doch bitte ab sofort die Wohnanschrift benutzen solle. Die Post schickte nun einen Brief wann die Schlüssel abzugeben seien. Am 28. Februar war es soweit, zum letzten Mal zum Standort des Postfaches in einem Geschäft, man wusste dort nichts von unserer Kündigung, nahm aber die Schlüssel entgegen.

Die Post hatte uns versichert eventuell noch im Postfach ankommende Briefe nachzusenden.

Im Laufe der Monate vermissten wir Kontoauszüge, eine Beschwerde bei der Bank , die ihre absolute Unschuld beteuerte, aber Besserung gelobte, folgte.

Irgendwann kamen die Kontoauszüge wieder regelmäßig.

Rechnungen, wie die vom Telefon wurden G´tt sei Dank abgebucht, nur sie erreichten uns nie.

Belege verschwanden im Dunkel des nirgendwo.

Gestern fand ich im Briefkasten wesentlich mehr Post als üblich vor.

Erstaunt mussten Pünktchen und ich feststellen, die Post scheint Schnecken mit akuter Leseschwäche eingestellt zu haben.

Wie anders ist die Tatsache sonst zu erklären das uns nun korrekt auf die Hausanschrift adressierte Briefe aus dem März erreichen? Schmerzlich vermisste Kontoauszüge , längst bezahlte Rechnungen und Belege fanden sich wierder an, auch ein wenig Privatpost , deren Nicht beantwortung uns schon übel genommen wurde, lag plötzlich ganz unschuldig im Briefkasten.

Zwischen Versand und dem eintreffen bei uns liegen somit meherer Monate. Deise Briefe scheinen den Frühling im Postfach zugebracht zu haben,

Nun hoffen wir das weitere, ebenfalls vermisste, Post vielleicht doch bis Weihnachten zugestellt wird.

Wir gehen auch davon aus ,das die Geburtsanzeige unseres im April dieses Jahres geborenen Neffen uns vielleicht bis er sein Studium abgeschlossen haben wird, erreicht . Selbst die Postschnecken können nicht 30 Jahre für eine einfache Zustellung benötigen. obwohl… wer weis?

Wortgestoeber

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5 Gedanken zu “Schnecken mit Leseschwäche

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